Habt ihr schon mal Linux benutzt? Wenn ja, dann habt ihr euch vielleicht auch schon mal die Frage gestellt, ob ihr nicht vielleicht komplett auf dieses OpenSource-Betriebssystem wechseln könnt. Ich habe das auch getan und bin zu dem Schluss gekommen, dass es doch ganz praktisch ist immer ein Windows in der Hinterhand zu haben. Also habe ich das bisher immer so gehandhabt, 2 SSDs im PC, eine für Linux und eine für Windows, allerdings ist mir küzlich ein Missgeschick passiert. Ich wollte mal wieder ein anderes Linux ausprobieren und hab es dafür auf meinem Laptop installiert. So weit so gut, aber als Installationsziel habe ich aus Versehen die SSD von Windows gewählt. Aber anstatt mich aufzuregen habe ich gedacht, dass ich doch mal schauen könnte ob oder wie stark mir Windows eigentlich fehlt. Das ganze war vor gut anderthalb Monaten, und in dieser Zeit habe ich auf meinem Laptop nur Linux-Systeme benutzt und wie gut ich damit zurechtkam erfahrt ihr in diesem Artikel.

Fangen wir doch am Anfang am besten mal damit an, welche Software ich so auf Windows benutzt habe, und wie ich diese auf Linux ersetzt habe. Zur Bildbearbeitung habe ich auf Windows immer Affinity Photo benutzt, das habe ich durch Krita ersetzt. Ja, eigentlich ist Gimp die vorherrschende Bildbearbeitungssoftware auf Linux, aber hier fehlt mir die Funktion, dass ich eine Ecke oder die Mitte einer Ebene auswählen kann pixelgenau bestimmen kann wo diese platziert wird. In Krita dagegen geht das. Als Bürosuite kommt FreeOffice von Softmaker zum Einsatz, weil hier die Kompatibilität zu Microsoft sehr gut ist. Etwas länger habe ich dagegen nach einem Client für OneDrive gesucht, was mir hier zu erst ins Auge gesprungen ist, war ein Programm auf GitHub welches einen den kompletten Onedrive mit einem Ordner auf dem PC syncronisiert, aber hier gab es ein kleines Problem. Insgesamt habe ich “nur” 628GB Speicher in meinem Laptop und das reicht für meinen 1TB OneDrive leider nicht aus. Klar ich benutze nicht den vollen Terrabyte, aber wenn ich alles syncronisieren würde, wäre mein Speicher sehr schnell voll. Nach etwas längerem Suchen bin ich dann auf Filezilla Pro aufmerksam geworden, denn in der Premium Version des OpenSource-FTP Clients ist es möglich sich mit seinem OneDrive zu verbinden. Das ganze kostet zwar 20€ aber die war es mir wert, denn so kann ich ganz einfach und schnell Daten zwischen meinem Laptop und meinem OneDrive austauschen.
Was IDEs oder sonstige Tools zum Programmieren angeht kann ich ja einfach bei meinen Programmen bleiben, denn JetBrains gibt IntelliJ, Pycharm und co. ja auch für Linux raus, und als einfacher Editor kommt auch wie bei Windows VSCodium zum Einsatz. Dieses Programm ist eine alternative Version von Visual Studio Code von Microsoft, bei der jedoch die Telemetrie, also die Weitergabe der Nutzungsdaten an Microsoft abgeschaltet wurde. Weil ich für Gaming und Videoschnitt weiterhin auf meinem Desktop-PC habe, brauche ich dafür erstmal keine Alternativen finden, weil ich das auch sowieso nicht auf meinem Laptop gemacht habe. Aber vorallem Gaming soll ja auf Linux zur Zeit massive Fortschritte machen, also habe ich mal Rioluu (ja, mit doppel U), gefragt wie einfach das Ganze zur Zeit ist. Er spielt zur Zeit seine Spiele nur noch unter Linux und hat schon viel Erfahrung auf diesem Gebiet. Seine Aussage dazu war:

Mittlerweile funktioniert das Gaming unter Linux richtig gut, dank Technologien wie Valve‘s Proton oder auch DXVK und VKD3D. Viele Spiele laufen dank Proton out of the box, jedoch benötigen einige immer noch ein wenig Tinkering, wie z.B. ein paar angepasste Configdateien oder auch eine Custom-Proton-Version. Bei Final Fantasy 14 musste ich beispielsweise eine Custom-Proton-Version installieren und Config-Dateien bearbeiten, jedoch läuft das Spiel danach sogar besser als nativ unter Windows. Außerdem gibt es ja auch noch Lutris, wo durch man sich das Tinkering sparen kann, da dies quasi alles für einen automatisch macht, dank den von den Nutzern erstellten Skripts. Auch Hardware wie Controller wird meist ohne etwas zu tun erkannt und funktioniert einwandfrei. Wer Steam nutzt, dem kann ich auch noch den Proton-Fork von GloriousEggroll empfehlen, da dieser einige Fehler in Spielen behebt und einem eine um weiteres bessere Performence gibt. Auch Feral‘s Gamemode ist zu empfehlen. Leider funktionieren aber noch nicht alle Spiele unter Linux, da gewisse Anticheat-Software wie z.B. XIGNCODE3 oder EasyAntiCheat Linux-Spieler als Cheater erkennen oder einen Kernel-Driver benötigen. Die Anticheat-Hersteller sagen aber, dass sich das in Zukunft ändern wird.

Aber sollte man sich nun komplett von Windows auf seinem System verabschieden? Wenn du dein System wie ich “nur” für Office, Surfen, einfache Bildbearbeitung nutzt, kann ich dir das nur empfehlen, denn mein Workflow hat auch nach diesem mehr oder minder absichtlichem Umstieg noch wunderbar funktioniert. Was ich zugeben muss, ist, dass ich manchmal Probleme mit Microsoft Word-Dokumenten habe, die ich zugeschickt bekomme, denn FreeOffice schafft es nicht immer die Dokumente korrekt darzustellen. Aber meistens sind das nur Bilder, die nicht 100% korrekt platziert sind, also unterm Strich auch nicht so schlimm, denn beim Erstellen von Dokumenten hatte ich überhaupt keine Probleme, hier hat die Gratis-Option aus dem Hause Softmaker auf jeden Fall mehr als genug Funktionen. Und zum Programmieren muss ich nicht wirklich was sagen, denn hier benutze ich sowieso seit langem schon Linux und kann deshalb keinen wirklichen Vergleich ziehen. Aber um ehrlich zu sein gibt es bei Linux auch einen relativ großen Nachteil. “Professionelle” Software, wie die Creative Cloud Programme von Adobe, sind hierfür leider noch nicht erhältlich. Nichts gegen die OpenSource-Alternativen wie Gimp oder Inkscape, aber Programme wie Adobe Illustrator oder Affinity Photo sind leider einfach noch einfacher in der Handhabung. Aber auch das könnte sich bald ändern, denn Entwickler wie Blackmagic mit DaVinci Resolve oder JetBrains mit ihren IDEs sind hier gute Vorbilder und zeigen, dass es möglich ist Programme für Linux zu protieren. Aber um ehrlich zu sein, hat mich mein “nur Linux”-Workflow so positiv überrascht, dass ich mich dazu entschlossen habe Windows auch von meinem Desktop-PC zu löschen und auch dort nur noch auf Linux zu setzen, was vorallem auch daran liegt, dass Gaming auf Linux wirklich gut möglich sein soll und ich Videoeditoren entdeckt habe, die Funktionen bieten die ich lange unter Linux gesucht habe. Dazu aber einem späteren Artikel mehr, denn ich muss ja auch das erstmal ausprobieren.