Habt ihr schon etwas Erfahrung im Umgang mit Linux und wolltet mal etwas mehr darü wissen wie ein Linux Betiebssystem eigentlich aufgebaut ist? Dann schaut euch mal Arco Linux an. Der Lernpfad dieser Distribution zeigt euch Schritt für Schritt, aus welchen Programmen ein Linux-Betriebssystem besteht und am Ende seid ihr sogar in der Lage eure eigene, auf Arch-Linux basierende Distribution zu bauen

Was ist eigentlich ArcoLinux?

ArcoLinux
Warscheinlich habt ihr noch nichts von dieser Distriution gehört, aber dennoch ist diese Distribution genial, wenn du mehr draüber wissen willst wie Linux funktioniert. Denn das gute an ArcoLinux ist, dass sich die Distro an Leute wendet, die mehr über Linux wissen wollen. In dieser Distribution gibt es nämlich einen eingebauten Lernpfad, der dir beibringt, deine eigene Distro zu bauen.Doch wie sieht der Lernpfad von ArcoLinux aus?
Um hier schnell einen schnellen Überblick zu haben gibt es diese Übersicht, aber ich werde euch auch noch mal jeden Schritt etwas detaillierter und auf deutsch erklären. LearnigPath

Phase 1: ArcoLinux installieren

In der ersten Phase installierst du erstmal die ganz “normale” ArcoLinux ISO, die du hier herunterladen kannst. Die Installation ist da (noch) ganz einfach und wie bei Ubuntu, denn man muss einfach nur das Live-Image mit einer Software wie Etcher auf den USB-Stick schreiben und diesen beim Booten im Bootmenu auswählen. Danach kann man das System mit dem Calamaris-Installer, der dem Installer, der bei Ubuntu benutzt wird, sehr ähnlet, installieren.
Und nach einem Neustart hat man schon ein voll funktionsfähiges, auf Arch-Linux basierendes System installiert. In dieser ISO von Arch-Linux sind desweitern drei verschiedene Grafische Oberflächen installiert:

  • XFCE für den kompletten Einstieg.
  • OpenBox für alle die einen etwas komplexeren Desktop ausprobieren wollen.
  • i3, der komplexeste, aber auch am besten anpassungsfähigste Desktop unter diesen drei. (Und nein, das ist kein Intel-Prozessor)

Diese Phase ist dazu da um erstmal, komplett grundlegenden Umgang mit Linux zu lernen. Aber damit man auch gleich mit dem Benutzen des Systems loslegen kann, haben die Entwickler von ArcoLinux gleich sehr viele Programme in das ISO gepackt. Also tobt euch hier aus und lernt Linux kennen. Einer der größten Unterschiede zu der normalerweise für Anfänger empfohlenen Distros ist zu Beginn der andere Paket-Manager Pacman. Damit ihr euch damit zurechtfindet hier mal die grundlegende Syntax von Pacman:
sudo pacman

  • -S zum Programme installieren
  • -R zum Programme deinstallieren
  • -Ss zum suchen von Paketen
  • -Syu zum installieren der neusten Updates


Also wäre z.B. der Befehl um Audacity zu installieren:

    sudo pacman -S audacity

Wenn ihr eure Programme jedoch lieber über eine grafische Oberfläche installiert, steht euch dafür Pamac zur verfügung. Alle Programme, die ihr mit Pacman im Terminal finden könnt, gibt es auch in Pamac.

Phase 2: ArcoLinuxD mit XFCE, OpenBox und i3

Wenn ihr jetzt schon so etwas geübt im Umgang mit Linux seit, könnt ihr euch ArcoLinux heruterladen, das gibt’s hier. Der Unterschied zum “normalen” ArcoLinux ist, dass ArcoLinuxD nur ein ganz minimales System ist, ohne grafische Oberfläche. Also quasi so wie eine frische Installation von Arch-Linux. Allerdings ist die Installation dieses Grundsystems nicht so schwer wie bei Arch Linux, weil sie wieder über Calamaris erfolgt, wie bei Phase 1.
Die Herausforderung besteht hier darin, sich seinen Desktop und alles nötige selber zu installieren. Aber das ist auch nicht sonderlich schwer, da die Entwickler von ArcoLinux dafür extra Skripte vorbereitet haben, um alles nötige für den jeweiligen Desktop zu installieren. Ihr müsst also nicht selber nach allen Paketen suchen. In der Phase 2 wird empfohlen erstmal die Desktops zu istallieren, die auch in Phase 1 zum Einsatz kamen, XFCE, OpenBox und i3.
Die Skripte dafür gibt es auf der offiziellen ArcoLinuxD-Website. Und hier wären gleich die Tutorialseiten zu:

Und hier zeigt sich die große Stärke von ArcoLinux. Alles wird mit leicht verständlichen Tutorials erkärt und oft ist sogar ein Video dabei. Wenn man jetzt die drei grafischen Oberflächen installiert hat, sollte das System ca. so aussehen wie die normale ArcoLinux-Installation aus Phase 1 aussehen. Nur mit dem Unterschied, dass ihr jetzt wisst welche Bestandteile ein Linux-Betriebssystem braucht, um zu funktionieren.

Phase 3: ArcoLinuxD mit einer beliebigen grafischen Oberfläche

Wenn ihr jetzt mal eine andere grafische Oberfläche wie XFCE, OpenBox oder i3 nutzen wollt, dann kommt ihr in Phase 3 des Lernpfads von ArcoLinux an. Und keine Sorge, hier ist die Installation fast genauso einfach wie bei Phase 2. Sucht euch einfach auf der ArcoLinuxD-Website einen aus den insgesamt 12 verschiedenen Deskops aus, klone das jeweilige GitHub-Repository auf deinen PC und führe die entsprechenden Skripte aus. Zur Verfügung stehen relativ bekannte Oberflächen wie Gnome oder KDE Plasma, aber auch weniger bekannte, wie z.B. Herbstluftwm werden von den Entwicklern zur Verfügung gestellt. Ob ihr hier die neuen Desktops auf eurem schon vorhandenem System aus Phase 2 installiet oder ob ihr nochmal mit einer frischen ArcoLinuxD-Istallation neustartet, bleibt ganz euch überlassen.

Phase 4: BYOI

In dieser Phase erstellt ihr eure erste eigene Linux ISO. Ihr bestimmt, welche Programme auf dem System landen und welcher Desktop standardmäßig genutzt wird. Auch das ist dank den vorgefertigten Skripten der ArcoLinux-Entwickler auch nicht sonderlich schwer. Hier sucht ihr einfach auf der ArcoLinuxB-Website nach der Oberfäche eurer Wahl und klont das in dem Artikel angegebene Discord-Repository auf euren Rechner. In dem geklonten Repository befindet sich ein Ordner mit dem Namen “archiso” mit der Datei “packages.x86_64”. Dort findet ihr eine Liste von Programmen. Ihr könnt einfach die Programme auskommentieren (ein “#” an den Anfang der jeweiligen Zeile). An den Programmen, die ihr haben wollt enfernt ihr entweder das “#” wenn schon eins da ist. Eigentlich ganz einfach. Die Programme, die ein “#” am Anfang der Zeile haben, werden nicht installiert, die ohne schon. Schreibt aber keine Programme, die überhaupt nicht in der Liste stehen einfach dazu, das funktioniert leider nicht.
Wenn ihr jetzt die Programme ausgewählt habt, müsst ihr nur noch das “30-build-the-iso-the-first-time.sh” Skript aus dem Ordner “installation-scripts” aus und die ISO-Datei, wird mit den von euch ausgewählten Programmen generiert. Wenn das auch geschafft ist, müsst ihr nur noch das erzeugte Abbild, das sich in eurem Home-Verzeichnis in dem “ArcoLinuxB-Out” befindet, mit Etcher auf einen USB-Stick brennen. Jetzt könnt ihr dieses erstellte Image in eurem Bootmenu auswählen und booten. Und keine Sorge, wenn euch beim Starten vom USB-Stick die XFCE-Oberfläche angezeigt wird und nicht die, die ihr ausgewählt habt. Das liegt daran, dass ArcoLinux immer den XFCE-Desktop nutzt um das Betriebssystem an euren Rechner “auszuliefern”. Wenn ihr das System dann mit Calamares installiert habt, müsst ihr nur noch euren PC neustarten und ihr werdet von eurem selber gebauten Betriebssystem mit der Oberfläche eurer Wahl begrüßt.

Phase 5: Arch-Linux installieren

So, jetzt geht’s langsam an’s Eingemachte. In diesem Schritt wird nälich Arch-Linux komplett ohne zusäzliche Skripte. Aber eins im Vorraus, ich habe schon selber oft Arch-Linux installiert und es ist echt nicht so schwer, wie viele behaupten. Folgt einfach dem Tutorial auf der Seite von ArcoLinux und es kann gar nicht viel schief gehen. Benutzt einfach:

Ihr werdet sehen, mit dem Wissen aus den vorherigen Phasen und den Tutorials auf der Website, werdet ihr schon verstehen, was die Phylosophie hinter Arch-Linux ist.

Phase 6: CARLI

Kommen wir nun zur letzen Phase. Und die ist so im Prinzip nocheimal die Phase 4, in der ja eine eigene ISO generiert wurde, nur mit dem Unterschied, dass wir hier keine Tools von ArcoLinux nutzen sondern auf “archiso” zurückgreifen. Ein Tool um selber bootbare Images von Arch-Linux zu erstellen. Das ganze wird von den Arco-Linux Entwicklern als “Customized ARch Linux Iso”, also kurz CARLI bezeichnet.
Klar, das ist etwas komplierter wie das “BYOI” aus Phase 4, aber dafür seid ihr durch “archiso” in der Lage, eure komplett eigene Arch-Linux-Distribution zu entwickeln. Wenn ihr damit anfangen wollt, startet am besten mit diesem Tutorial.

Zusammenfassung

Arco Linux ist meiner Meinung nach keine Distro, die nur aus der dem Betriebssystem besteht. Viel wichtiger als das Betriebssystem sind die Tutorials auf den ArcoLinux Websites. Desweiteren empfehle ich euch auch den Discord-Server oder die Telegram-Gruppe. DIe Community dort ist sehr hilfbereit, wenn bei dem Lernpfad irgendwelche Probleme auftreten sollten.
Der einzige Negatvpunkt ist meiner Meinung nach, dass die Tutorials nur auf Englisch verfügbar sind. Wenn ich euch zu irgendeinem Schritt mal ein deutsches Tutorial machen soll, dann schreibt mir das ganz einfach als Kommentar unter den Ankündigungstweet dieses Artikels.